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Zucht

Kraniche

Ihre Haltung und Zucht

 

Die Zucht von Kranichen

 

Meine Anfänge

 

Als ich das erste Mal eher zufällig eine Kranichzuchtanlage gesehen habe, war mir die Faszination die diese Tiere auf einen ausüben können noch nicht ins Herz gelegt! Zu dieser Zeit galt mein Interesse den Entenvögeln von denen ich zusammen mit einem Freund zu dieser Zeit ca. 50 Arten hielt!

Aber nach diesem massiven ersten "Kranichkontakt" habe ich die majestätischen Tiere  nicht mehr aus meinem Unterbewußtsein verdrängen können.

Als ich einige Monate später eine Annonce in der Deutschen Geflügelbörse las "Jungfernkraniche zu verkaufen", rief ich umgehend dort an um mich über die Haltungsbedingungen und den Preis zu erkundigen.

Nach dieser Erstinformation ging es ab in einen Buchladen um mir entsprechende Kranichliteratur zu besorgen. Das war zu dieser Zeit (Anfang der 1990er Jahre) ein durchwegs schwieriges Unterfangen! Es gelang mir dann aus Amerika das Buch "Cranes: Their Biology, Husbandry, and Conservation" zu bestellen! Aus diesem unverzichtbaren Werk vervollständigte ich dann in den nächsten Wochen mein rudimentäres Wissen.

Als ich dann im Herbst des Jahres 1994 mit einem Freund eine Besuchstour deutscher Wasserziergeflügelzüchter absolvierte, rief ich am Heimweg kurzentschlossen den Züchter der Jungfernkraniche an, fuhr bei ihm vorbei und...kaufte ein Paar (zwei Tiere)! Die anschließende DNA Untersuchung brachte zu Tage, daß ich Glück hatte und es wirklich ein Paar war.Das Männchen habe ich heute noch und er ist zwischenzeitlich Vater vieler gesunder Nachkommen.

Ab diesem Zeitpunkt war meine Liebe zu den stolzen Vögeln entbrannt. Es folgten Sarus, Weißnacken, Paradies und Graue Kraniche, die ich Anfangs noch in 3 voneinander getrennten Anlagen unterbrachte, was die Betreuung nicht gerade erleichterte. Beginnend mit dem Jahre 1998 begann ich den Aufbau meiner neuen Anlage in Alkoven und  übersiedelte nach und nach die Tiere dorthin.

 

Der Kauf und die Verpaarung von Kranichen

 

Heutzutage ist es viel leichter verschiedenste Kranicharten zu erwerben als noch vor wenigen Jahren, doch und vielleicht umsomehr gelten immer noch ein paar goldene Regeln:

 

1.) Fangen sie die Haltung/Zucht am besten mit  jungen Tieren an (je nach Art bis ca. 5 - 7 Jahre alt), denn ältere Tiere lassen sich meistens schwer bis gar nicht neu verpaaren.

Oft werden ältere Tiere auch deswegen abgegeben, da sie die eine oder andere Störung/Macke entwickelt haben, unverpaarbar oder extrem, über jedes normale Maß hinaus, agressiv gegen den Partner bzw. den menschlichen Betreuer sind. Wenn sie ältere Tiere erwerben machen sie einen Kauf immer von einer persönlichen Begutachtung abhängig und versuchen sie so viel als möglich über deren Vergangenheit heraus zu bekommen.

Natürlich gibt es auch ältere Kraniche die sich mit etwas Fingerspitzengefühl wieder verpaaren lassen und gute Zuchttiere abgeben, aber das ist leider eher die Außnahme.

 

2.) Erwerben sie möglichst nur blutsfremde Tiere oder tauschen sie zumindest einen der Partner kurzfristig aus!

 

3.) Achten sie darauf nach Möglichkeit  nur unkupierte Kraniche zu erwerben. Ich lehne das Kupieren von Kranichen STRIKT ab! Ersten ist das Amputieren der Flügel zwischenzeitlich verboten, zweitens ist die Befruchtung durch kupierte Männchen meistens stark eingeschränkt und drittens ist die Verletzungsgefahr an der kupierten Stelle sehr hoch (beim Fangen, beim Gesundheitscheck/Entwurmen, beim Umsetzen etc.).

Ist die Alternative zum Nichterwerb eines kupierten Tieres, daß ein Tier alleine bleibt empfehle ich natürlich schon den Zukauf eines amputierten Vogels, denn speziell bei den Weibchen ist es kein so großer Nachteil bei der Zucht!

Leuten die damit argumentiern, daß ihnen unkupierte Kraniche entfliegen könnten, sei gesagt das jemand der solche seltene und wertvolle Tiere hält, auch die Zeit haben sollte, je nach Art, alle paar Monate bzw. Jahre die Federn zu stutzen.

 

Das Stutzen der Federn einer Handschwinge kann auf verschiedene Arten erfolgen, sollte aber immer nur auf einer Seite angewandt werden.

Methode 1: Man fängt bei der äußersten Schwingenfeder an und kürtzt sie mit einer starken Schere oder einem Seitenschneider bis auf ca. 5 cm. So verfährt man auch mit den danebenliegenden 8 - 10 Federn (bei Weibchen können es auch mehr sein).

 

Methode 2: Wie oben, nur läßt man die äußersten 2 Schwingenfedern stehen (speziell bei Männchen garantiert das mehr Balance beim Tretakt)

 

 

Mausertabelle für Kraniche/Flugfedern

 

 

 

 Arten

Generelle Mausergewohnheiten 

Betreuung/Stutzen

Kronenkraniche

Jungfernkraniche

Verlieren die Flugfähigkeit nie ganz da sie das ganze Jahr über einelne Schwungfern durchmausern!

Müssen das ganze Jahr über beobachtet werden und je nach Federnachwuchs im Abstand von einigen Wochen/Monaten beschnitten werden.

Die meisten Grus Arten und die Paradieskraniche

 Mausern etwa alle 2 Jahre

Verlieren alle Flugfedern innerhalb weniger Stunden/Tage und müssen dann nach einigen Wochen, kurz bevor sie die volle Flugfähigkeit wieder erlangen, gestutzt werden.

Sarus und Klunkerkraniche

 Mauser etwa alle 3 Jahre

 Wie oben

 

Die Körperbefiederung wird jedes Jahr kontinuierlich gewechselt.

 

Es gibt bei einzelnen Kranichen bei der Mauser immer wieder Ausnahme von der Regel (ohne das die Tiere andere Aufälligkeiten zeigen wie Krankheiten etc.) und ich möchte nachstehend einige Unregelmäßigkeiten, die mir im Lauf der letzten Jahre untergekommen sind, aufzeigen:

Bei meinen 2 Paaren Mandschurenkranichen wechseln die Männchen regelmäßig jedes Jahr die Schwungfedern, während die Weibchen selbiges nur alle 2 Jahre tun.

 

Mein Zuchtmännchen der Schwarzhalskraniche hat jetzt seit 3 Jahre die Schwungfedern nicht gewechselt, das Weibchen wechselt alle 2 Jahre selbige.

 

Mein Weibchen der Saruskraniche hat seine Schwungfedern auch schon einmal 4 Jahre behalten.

 

4.) Bei der Haltung von Kranichen ist es von Vorteil ruhige, vertraute Tiere zu haben,  die nicht bei jeder kleinen Störung in Panik gegen das Gitter rennen. Auf der anderen Seite rate ich eher von zu zahmen, extrem auf den Menschen geprägten Tieren ab, da sie Schwierigkeiten haben können sich vom Menschen zu lösen und eine Kranichpartnerschaft einzugehen und/oder nach dem Erreichen der Geschlechtsreife extreme Agressionen gegen Menschen entwickeln!

 

5.) Verlangen sie immer ein Geschlechtszertifikat, denn es gibt niemanden der mit 100%er Sicherheit die Geschlechter von jungen Kranichen allein vom Anschauen her bestimmen kann! Es mag Züchter geben die von absolut gleichaltrigen Tieren eine gute Prognose über das Geschlecht abgeben können, aber auch nicht mehr!!!

Ich gebe hier zu bedenken, daß bereits ein Tag Unterschied im Alter, bei gleichen Kranicharten von den selben Eltern einen merklichen Größenunterschied bedeuten kann, ohne daß dieser etwas über das Geschlecht selbst aussagt.

Die Aussagen, daß aus einem Gelege (im Regelfalle 2 Eier) fast immer zwei verschiedene Geschlechter schlüpfen ist purer Unsinn. Eher habe ich bei meinen Jungen eine Tendenz dazu bemerkt, daß es öfter 2 gleiche Geschlechter sind als umgekehrt!

Aus einer Gruppe Jungkraniche einen großen und einen kleinen herauszusuchen und zu hoffen ein Paar zu haben ist wie im Casino Roulette zu spielen.

Sind die Kraniche einmal ca. ein halbes Jahr alt, können gewiefte Kranichkenner eine relativ gute Einschätzung des Geschlechtes anhanden von Verhaltensmuster und Größe abgeben, aber auch hier ist die Trefferquote sicher nicht besser als 70/30.

Sobald Kraniche mit ca 1,5 bis 2 Jahre anfangen zu rufen, können Experten nahezu 100% das Geschlecht bestimmen, aber auch hier hat man sich schon geirrt (inklusive mir)!

Die Geschlechtsanalyse erfolgt heute hauptsächlich per DNA Untersuchung entweder aus Blut oder Federn. Ich lasse die Bestimmung bei der Uni Hannover, Fr. Dr. Ina Pfeiffer machen ( ipfeiff@gwdg.de ), die sehr viel Erfahrung mit Kranichen hat und ausgezeichnete Resultate bringt. Fehlbestimmungen kommen kaum vor!

Federn von ausgewachsenen Tieren sollte man frisch auszupfen und nur von den Armschwingen nehmen.                                                                                 Blut kann man entweder mit einer Spritze aus einer Ader/Vene entnehmen, was einiges an Übung und einen geschickten Helfer voraussetzt, oder aber man knipst mit einem Nagelzwicker vorsichtig ca. ein Drittel eines Zehennagels ab und fängt den austretenden Blutstropfen mit einem Kapillarröhrchen auf. Diese Methode ist einfacher in der Ausführung als vorhergehende, stresst die Tiere normalerweise weniger, ist nur mit ein wenig Schmerz verbunden und kann schon bei Küken im Alter ab 1 Woche durchgeführt werden. Die Proben werden per Post übermittelt. Testresultate stehen dann normalerweise innerhalb 1 Woche zur Verfügung.

Die Endoskopie wird immer weniger angewandt, da es sich doch um einen kleinen operativen Eingriff handelt, der auch eine Narkose voraussetzt und meiner Meinung nach auch keine besseren Resultate liefert als die DNA Analyse.

 

6.) Kaufen sie nie Tiere (auch wenn sie noch so günstig sind) die struppiges Gefieder haben, verschmutzte Kloaken, unmäßig mager sind oder sonstwelche gravierende äußere Mängel zeigen. Erwerben sie Kranichküken nur wenn sie bereits längere Erfahrung in der Kranichaufzucht und Haltung haben, denn diese reagieren unter Umständen sehr negativ auf eine Umstellung der äußeren Umstände, werden krank und können eingehen.

 

7.) Geben sie den frisch erworbenen Tieren viel Zeit und Platz um sich aneinander zu gewöhnen. Kraniche sind sehr penibel und wählerisch wenn es um die Partnerwahl geht und nichts ist schlimmer als ein fremdes Tiere einfach zu einem bereits Eingewöhnten zu sperren!!!

 

Hier gilt das eiserne Gesetz immer den stärkeren Vogel (meist männliches Tier) zum schwächeren Vogel setzen und NIE umgekehrt.

 

Nachfolgend möchte ich die besten Methoden beschreiben Kraniche aneinander zu gewöhnen, wobei ich zu denken geben möchte, daß es mit jungen Tieren immer besser funktioniert als mit Alttieren:

 

Fall 1: Man erwirbt 2 neue Tiere zur selben Zeit

Idealerweise besitzt man zwei nebeneinander gelegene Gehege (oder man trennt ein bestehendes in der Mitte ab) in die man die 2 neuen, aneinander zu gewöhnende Tier setzt, so daß sie sich sehen und hören können, ohne sich bekriegen zu können. Dort belässt man sie solange bis man bemerkt, das sich erste zarte Bande bilden, was man zB daran merkt, daß die Tiere nebeneinander am Gitter stehen oder im Idealfalle miteinander rufen ( so es erwachsene Tiere sind)! Diese Gewöhnungsphase kann wenige Tage, meistens ein paar Wochen oder auch einige Monate dauern!!! In einigen Fällen klappt es nie und es muß ein neuer, anderer Partner her.

Sollte es auch nach etliches Versuchen mit verschiedenen Tieren nicht klappen ist der Vogel der alle ablehnt als unkompatibel zu betrachten und muß wohl oder übel den Rest seines Lebens alleine verbringen!

 

Erst dann kann man die Vögel UNTER AUFSICHT zusammenlassen (Männchen zum Weibchen), und kann/muß trotzdem immer damit rechnen das sie sofort aufeinander losgehen. Greifen sie erst ein wenn sie merken das es wirklich ernst ist, dann aber schnell und energisch und trennen sie sie wieder und probieren sie es in 1-2 Wochen wieder. Gibt es nur ein paar kleinere Geplänkel wartet man ab, meistens beruhigen sich die Tiere innerhalb von ein paar Minuten und gehen zum scheingefiederputzen über.

Man sollte die Tiere dann noch ein paar Stunden unter loser Beobachtung halten, aber normalerweise ist die Zusammenführung damit erfolgreich erfolgt.

Aber... es besteht in wenigen Fällen auch nach Stunden oder Tagen, ja sogar nach Jahren die Gefahr das eines der Tiere (wieder meistens das Männchen) auf den Partner losgeht und ihn angreift, was dann auch oft letal endet wenn man nicht vorort ist.

Die beste Vorsorgemöglichkeit dagegen ist eine Versteckmöglichkeit ( zB. eine dichte Thujenhecke, Sträucher, beidseitig begehbare Verblendungen entlang des Zaunes etc.) in die sich der unterlegene Kranich flüchten kann. "Aus den Augen, aus dem Sinn" ist auch hier ein treffendes Sprichwort.

 

Fall 2: Man erwirbt ein neues Tier zu einem alteingesessenen Tier

 

Im Prinzip funktioniert es genauso wie oben beschrieben, wobei es besser wäre die Tiere in einem anderen Gehege zusammen zu gewöhnen als in dem wo der bereits vorhandene Kranich bisher untergebracht war. Das hat den Vorteil, daß sich beide Tiere auf neuem, ungewohnten Terrain befinden und nicht alte Besitzansprüche ausspielen können.

 

Fall 3: Man erwirbt 2 aneinander gewöhnte Tiere

 

Hier bleibt nur zu beobachten ob sich die Tiere im neuen Gehege zurechtfinden. Kleine Streiterein die auf den Stress beim Transport zurüchzuführen sind ebben meistens schnell ab.

 

Generell ist darauf zu achten frisch eingestellten Tieren leicht erreichbare Futter und Tränkemöglichkeiten anzubieten und das an 2 oder 3 verschiedenen Stellen, da  frisch verpaarte Kraniche unter Umständen dazu neigen können aus Futterneid den Partner vom Futter wegzujagen. 

 

Wann habe ich ein zuchtbereites/fähiges Paar

 

Das beste Indiz das Kraniche verpaart sind, ist das gemeinsame Rufen und tanzen. Je exakter der gemeinsame Ruf beginnt und endet und umso öfter er ertönt (speziell im Frühjahr zur Brutzeit) desto besser sind die Tiere zusammen.

Haben Kraniche einmal einen Partnerbund geschlossen hält der im Normalfalle das ganze Leben und ein Kranichleben kann lange sein. Es sind Paare bekannt die bis zum 70. Lebensjahr und mehr erfolgreich gebrütet haben, also sollten sich auch künftige Kranichhalter darüber im Klaren sein, daß sie sich eine Lebensaufgabe "eingefangen" haben.

Kranichmännchen werden etwa im Alter von 2 - 3 Jahren geschlechtsreif und produzieren Samen (ich hatte von einem 2 jährigen Weißnackenkranich schon lebensfähige Junge). Weibchen legen meistens das erste Mal im Alter von 4 - 6 Jahren. Hier hängt es auch stark von den passenden Unterbringungsmöglichkeiten und dem Zeitpunkt ab wann Kraniche geschlüpft sind (früh im Jahr geschlüpfte Küken sind meist ein Jahr eher geschlechtsreif als spät geschlüpfte Küken).

Ein absolut untrügliches Zeichen der Verpaarung ist natürlich der Tretakt. Dieser folgt meistens vorausgehenden Tänzen und vermehrtem Rufen welches beim Weibchen in ein rauhes guturales lautes Knurren übergeht. Zeitgleich breitet sie im Stand die Schwingen aus und lädt so das Männchen zum Aufsteigen ein.

Erfahrene Männchen nehmen diese Aufforderung meistens sofort an, springen mit einem schnellen Flügelschlag auf den Rücken des Weibchens, pressen ihre Kloake auf die der Partnerin und geben den Samen ab. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden und wird nach dem Abstieg des Männchens mit gemeinsamem Rufen abgeschlossen!

 

Natürliche Befruchtung/Künstliche Befruchtung

 

Der Idealfall ist der, daß die Kraniche selbst jedes Ei befruchten, was aber leider in Gefangenschaft (und teilweise auch bei Wildvögeln) nicht immer der Fall ist.

Der Eiablage gehen einige Tage davor sich immer wiederholende Paarungen vorher, die man, auch wenn man sie meistens nicht direkt sieht, oft daran erkennen kann, daß das Rückengefieder der Henne unordentlich und teilweise verschmutzt ist.

 

Aufräumen möchte ich (aus eigener leidvollen Erfahrung/siehe nachfolgenden Tatsachenbericht) hier auch mit dem Märchen, daß Kraniche jedes Ei extra befruchten.

Tatsachenbericht: Am 13.5.05 verlor ich durch einen Gewittersturm mein bewährtes, damals 17 jähriges Zuchtmännchen der Weißnackenkraniche (es wurde von einem herabfallenden Ast erschlagen). Das Weibchen rief die nächsten Tage unentwegt nach ihm, vervollständigte aber währenddessen das zum Todeszeitpunkt des 1,0 bereits begonnene Nest (3. Gelege dieses Jahres) weiter. Am Nachmittag des 15.5.05 lag dann ein Ei im Nest, das sofort bebrütet wurde, am 18.5.06 folgte ein 2tes. Als ich am 24.5.05 ein dritte Ei im Nest entdeckte, war die Überraschung perfekt. Ich hatte die Eier in der Reihenfolge ihres Legedatums gekennzeichnet, hatte aber wenig Hoffnung das sie befruchtet waren. Das Weibchen bebrütete das 3er Gelege schon ca. 2 Wochen ganz alleine, als ich merkte, daß die Brutpausen immer länger wurden und sie deutliche Brutunlust zeigte. Daraufhin überführte ich die 3 Eier in den Brutapparat und zu meiner unglaubliches Überraschung schlüpften aus den beiden zuerst gelegten Eiern zwei prächtige, gesunde Kücken die sich später als 2 Männchen erwiesen! Das 3. Ei war unbefruchtet!

Die Eier waren also mehr als 2 bzw. 5 Tage nach dem Tode des Männchens befruchtet, was für mich beweist, daß auch Kranichweibchen die Mögliczhkeit haben männlichen Samen einige Zeit in ihrem Körper zu speichern (wie zb. auch die Hühner und Entenvögel)

 

Häufigste Ursachen für unbefruchtete Eier bei in Gehegen gehaltenen Kranichen  sind folgende:

 

1.) Das Männchen ist kupiert und schafft es nicht die Balance beim Tretakt zu halten und seinen Samen in die Kloake des Weibchens abzugeben.Hier gibt es nur 3 Möglichkeiten um diesem Problem zu entkommen:

a.) Sie schneiden dem Hahn auf der unkupierten Seite die äußersten 3-4 Schwungfedern ab, um das Gleichgewicht beim Bespringen des Weibchens zu verbessern und warten die nächsten Jahre ab ob es klappt. Viele kupierte Hähne lernen im Laufe der Jahre durch immerwährendes Üben die Technik einer erfolgreichen Befruchtung trotz ihrer Behinderung!

b.) Sie wenden künstliche Befruchtung an. Diese Methode erfordert natürlich ein hohes Maß an Erfahrung und Geschick und wird im Normalfall nur von Experten durchzuführen sein.

c.) Sie tauschen den männlichen, kupierten Kranich gegen ein unkupiertes Tier aus, wobei hier immer die Gefahr besteht, daß das Weibchen den neuen Partner nicht akzeptiert.

 

2.) Die Federn sind zu stark gekürzt worden. Im diesem Falle einfach bis zur nächsten Mauser warten, weniger Schwingenfeder schneiden und abwarten ob es dann klappt.

 

3.) Die Tiere (speziell das Männchen) sind zu jung und unerfahren. Das ist eine sehr häufige Ursache für unbefruchtete Eier (speziell beim erstmaligen Brüten) und hier ist der Zeitfaktor die einzig gangbare Art und Weise das Problem zu lösen. Geben sie den Tieren Zeit und Ruhe um die Paarungstechniken zu erlernen, meistens klappt es in der nächsten Brutsaison bereits. 

 

4.) Es liegt eine dauernde Unfruchtbarkeit aufgrund einer Erkrankung bzw. Verletzung vor. Hier kann die Ursache eigentlich nur von einem versierten Tierarzt mittels Endoskopie oder Samenuntersuchung festgestellt werden. Ist eine dauernde Unfruchtbarkeit bei einem der Partner diagnostiziert worden bleibt nur, die Tiere weiterhin als Paar zu halten (ohne Hoffnung auf Nachzucht) oder das betreffende Tier auszutauschen (siehe Punkt 1c.)

 

5.) Die Tiere harmonieren nicht und dulden sich nur, bilden aber kein richtiges Paar, womit auch der Hahn nich tritt oder die Henne sich nicht tretenläßt. Hier ist eine Neuverpaarung eigentlich die einzige Möglichkeit noch zu einem Zuchterfolg zu kommen, wobei es unter Umständen sein kann, daß Tiere dabei sind die sich nie mit anderen Kranichen verpaaren und damit für die natürliche Zucht ausfallen. Sind das Weibchen die aufgrund ihrer starken Menschenprägung trotzdem legen, können sie künstlich befruchtet werden bzw. kann unverpaarbaren Männchen Samen für eine künstliche Befruchtung abgenommen werden.

 

Speziell darauf hinweisen möchte ich, daß bei der Kranichzucht Geduld eine sehr große Rolle spielt!!! Es kann durchaus öfter vorkommen daß Paare die viele Jahre lang trotz idealer Haltungsbedingungen keine befruchteten Eier gelegt haben, ohne ersichtlichen Grund plötzlich Junge zeugen und das auch dann viele Jahre in Folge tun. 

Zuchtvorbereitungen im Frühlahr

 

Je nach Wetterlage und Kranichart sind die ersten Gelege ab Mitte März zu erwarten, wobei ältere, langverpaarte Tiere generell früher zu legen anfangen und (so man die Eier entfernt) auch mehr Eier legen als Jungtiere.

 

Bruttabelle für alle Kranicharten

 

 

Kranichart 

Durchschnitllicher Legebeginn 

durchschnittliches Legeende (bei Mehrfachgelegen!!!) 

 Klunkerkranich *

 Dezember/Jänner

 April

 Paradieskranich

 Mitte Mai

 Mitte Juli

 Jungfernkranich

 Mitte März

 Ende Mai

 Grauer Kronenkr.

 Anfang Juni

 Mitte September

 Schw. Kronenkr.

 Anfang Juni

 Mitte September

 Weißnackenkranich

 Mitte März

 Mitte Juni

 Schwarzhalskranich

 Anfang Mai

 Anfang Juli

 Mandschurenkranich

 Mitte April

 Anfang Juni

 Kanadakranich

 Ende April

 Anfang Juni

 Graukranich

 Mitte April

 Mitte Juni

 Mönchskranich **

 Anfang Mai

 Anfang Juni

 Schneekranich **

 Anfang April

 Ende Mai

 Saruskranich

 Anfang Mai

 Anfang September

 Brolgakranich

 Mitte Mai

 Anfang September

 Schreikranich **

 Anfang April

 Ende Mai

* nach starken Regenfällen auch das ganze Jahr über!                                         ** stark abhängig von der Tageslichtdauer am jeweiligen Haltungsort!

 

Ältere, erfahrene und schon lange in einem Gehege eingewöhnte Tier brüten zumeist jedes Jahr immer wieder am selben Ort.

Etliche Tage vor dem Legebeginn beginnen die meisten Paare (mit Ausnahme von Jungfern und Paradieskranichen, die nur wenige kleine Steinchen oder Hölzchen zusammentragen, die kaum als Nest erkennbar sind)  am Neststandort kleine Zweige, Gräser und anderes Nistmaterial zu sammeln. Meistens zeigt eines der beiden Elterntiere schon vorher den Nistplatz dadurch an, daß es mit gurrenden Lauten mit dem Schnabel auf die bevorzugte Stelle zeigt und sich auch dort kurz niederläßt.

Das ist der Zeitpunkt wo ich ihnen einen viertel Ballen Stroh an diese Stelle werfe. Dieser wird meistens innerhalb der nächsten Stunden zerteilt und daraus ein Nest geformt.

Einige Tage später kommt es dann zur Eiablage (manchmal kann man einen kleinen Katzenbuckel beim Weibchen erkennen, der die nahe Eiablage signalisiert). Erschrecken sie nicht wenn sie das Kranichweibchen eines Tages auf den Fußgelenken knieend, leise kollernd und stöhnend am Nest sehen, denn dann legt es gerade. Das Ei wird teilweise im Liegen bzw. im Hocken ausgestoßen (wo es schon einige Zentimeter nach unten fallen kann). Gelegt wird im Abstand von ca. 2-3 Tagen,  meist in den Morgenstunden und bebrütet wird das erste Ei dann ab den Abendstunden. Bis auf Klunker und Kronenkraniche ( jeweils 1 Ei bzw. 3-4 Eier) legen alle Kranicharten in der Regel 2 Eier pro Gelege.

Entfernt man das Erstgelege erhält man je nach Art bis zu 4 Nachgelege, wobei es nicht anzuraten ist die Tier 5 Mal legen zu lassen, denn das kann das Weibchen schon erschöpfen. 3 Gelege pro Weibchen und Jahr halte ich für absolut vertretbar wobei es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, daß mehrere Gelege pro Jahr eine negative Auswirkung auf die Gesundheit und Lebensdauer der Tiere haben. Was zu beobachten ist, ist das die später gelegten Eier durchschnittlich ein etwas geringeres Gewicht aufweisen, ohne aber meßbar schlechtere Schlupfraten aufzuweisen!

Ich lasse die Kraniche IMMER mindestens 8 Tage lang selbst die Eier bebrüten, bevor ich sie in den Brutapparat verbringe. Das aus zwei Gründen; Erstens um die weiblichen Tiere nicht zu "Legehennen" zu degradieren und zweitens ist die Schlupfrate nahezu 100 Prozent wenn die Eier die erste Woche in Naturbrut bebrütet worden sind. Werden Kranicheier vom ersten Tag in den Brutapparat gegeben ist die Schlupfrate deutlich geringer, sofern nicht der exakte Gewichtsverlust der Eier gemessen wird.

Die Hauptlast des Brutgeschehens trägt das Weibchen, wobei viele Männchen die Bebrütung übernehmen, wenn das Weibchen das Nest verläßt um zu trinken und zu fressen und Kot abzusetzen.Manche Kranichmänner gehen dann so ungern vom Nest das sie richiggehend von der Henne vertrieben werden müssen.

Ich lasse bei bewährten Brutpaaren jedes Jahr das letzte Gelege komplett den Kranichen ausbrüten und oftmals die Jungen selbst aufziehen, wobei anzumerken ist, daß bei dieser Aufzuchtmethode bedeutend mehr Ausfälle durch Raubzeugfraß, Krankheiten, Schlechtwetter, Parasiten, Unterversorgung durch die Eltern wegen Störungen etc.vorkommen. Besser ist es nur ein Junges bei den Eltern zu belassen, denn dann können sie ihre ganze Aufmerksamkeit dem kleinen "Wonneproppen" widmen und die Chancen das er hochkommt sind viel besser.

Fakt ist einfach daß es kaum etwas Schöneres gibt als einem eingespielten Kranichpaar zuzusehen, wie es seine Jungen aufzieht. Es ist regelrecht beglückend die Hingabe zu beobachten mit der ein Futterbrocken ein gutes dutzend Male gereicht wird bis ihn die Kleinen endlich hinunterschlingen.

Ganz wichtig bei der Naturbrut und Elternaufzucht von Kranichen ist ein besonderes Augenmerk auf den Gesundheitszustand der Jungen zu legen und hier wiederrum sind es speziell Luftröhrenwürmer die den Kleinen zu schaffen machen. Ich habe die Erfahrung gemacht das selbst in sehr großen, frisch besetzten Anlagen Jungkraniche kaum überleben wenn nicht konsequent entwurmt wird. Schon im Alter von ca. 2 Wochen kann man oft ein Pfeifen und ein Niesen bei den Küken hören (soweit man halbwegs nahekommen kann) und wenn man dann nicht schnell eingreift sind die Tiere innerhalb weniger Tage tot (erstickt). In meiner Anlage werden Küken die auf Naturboden laufen (egal ob Naturbrut oder händisch aufgezogene Tiere) ca. alle 2-4 Wochen entwurmt, aber allerspätestens sobald ich das leiseste Niesen höre!

Alttiere entwurme ich 2 mal jährlich, nämlich im Jänner/Februar und im Oktober/November oder nach Bedarf wenn mir ein Niesen/Würgen und/oder ein damit verbundenes, fortwährendes Kopfschütteln auffällt.

Alttiere sind bei weitem nicht so empfindlich gegen den Syngamus (Luftröhrenwurm) wie Junge!

 

Zum Entwurmen verwende ich das 2,5 %e Wurmmittel Panacur (für Ziegen, Schafe etc.). Die Dosierung ist wie folgt:

 

1 Millilieter 2,5 %es Panacur pro 1 Kg Körpergewicht (oder 10 %es Panacur

 wobei dann die Dosierung 0,250 ML pro 1 KG Gewicht ist).

 

Verabreicht wird es oral! Ich ziehe das Mittel in eine 5ML Spritze (natürlich ohne Nadel) auf und schiebe sie tief in den Rachen (fast bis zum Spritzenende) und spritze es ein. Hier muß man sorgsam mit dem Tier umgehen um es erstens nicht im Rachenbereich zu verletzen bzw. um das Mittel nicht in die Luftröhre (ACHTUNG Erstickungsgefahr) sondern in den Schlund zu verabreichen. Ich selbst erledige diesen Vorgang alleine, aber für ungeübte Personen ist es ein MUSS diesen Vorgang unter Hinzuziehung einer 2. Person zu erledigen, wobei einer den Kranich zwischen seinen Füßen fixiert (Kopf nach vorne) und der 2.das Mittel eingibt. Jungtiere sind natürlich viel leichter handhabbar als Alttiere. Überdosierungen sind  - wenn die oben genannte Menge nicht grob fahrlässig überschritten wird - kaum möglich, da die Vögel nach dem Entwurmen meistens ohnehin sofort Wasser aufnehmen und die Dosierung daduch erheblich verwässert wird.